Paradoxien des Öffentlichen, Duisburg
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Vom Überwachungsraum zu My Space | Die neue Mitte Duisburg ist wie großes Kino, rätselhaft: Ein sonderbarer Hybrid mit Superlativen (größtes Casino Deutsch- lands). Eine Philharmonie, die aussieht wie eine Shopping-Mall. Glamouröse Raststätten im Inneren der Mall, die man so im Pott nicht vermuten würde. Natürlich gibt es ein austauschbares Logo, natürlich sind die Eingänge über Eck, natürlich gibt es eine ovale Mitte, natürlich werden die Türen über Nacht verschlossen und natürlich wird der ganze Laden überwacht. Die ganze Szenerie mutet an wie ein öffentlicher Raum im Ruhrgebiet, ohne Ruhrgebietsöffentlichkeit.
Dazu ist es ein Ort mit umkämpfter Vergangenheit. In den Gesichtern von manchem Passanten ist noch heute der Phantomschmerz über den Verlust der Mercator-Halle zu lesen. Vielleicht liegt es aber auch nur an der letzten Pommes Rot/Weiß, die schwer im Magen liegt oder an privatem Ärger, an einem fehlenden Job etc. …

Die vorgeschlagene Installation bedient sich der vorgefundenen Situation und nutzt einzelne Insignien der Mall-Kultur als Medien für soziale Kontakte. Grundlage des Projektes bildet die Infrastruktur des Überwachungssystems. Sie wird als technische Intervention zweckentfremdet. Die überwachten Orte werden zum Set – zur Überwachungskamerabühne für jedermann – und animieren die vermeintlichen Konsumenten zu privaten Botschaften, Aufführungen und Selbstdarstellungen wie sie aus jüngeren Internetportalen wie YouTube oder myspace bekannt sind. Im Unterschied dazu werden die Performances life, in den öffentlichen Raum vor der Mall ausgestrahlt.

Die lowbudget Medieninstallation CinePALAIS adaptiert die Ästhetik und das CI-Konzept des CityPALAIS. Eine Reihe von kleinen Monitoren über einer Kinokasse bietet die überwachten Spots/ Performances aus dem Innenraum als Auswahlmöglichkeit für eine Großprojektion auf der Rückseite. Das Auswahlverfahren bedient sich bekannter medialer Abstimmungsrituale, die in verschiedenen Formaten wie dem Grand Prix d´Eurovision oder MTV-Video-Battle erprobt sind und erfolgt via SMS oder Anruf mit Anwahl der entsprechenden Endnummer. Vergleichbar mit dem Regisseur in einem Fernsehstudio entscheiden die Passanten über die Wahl der Kamera, welche Einstellung bzw. welche Performance auf der großen Leinwand zu sehen ist. Geprobt wird hier die Urform der Demokratie als direkte (Volks)Abstimmung über die Inszenierung von Überwachungsräumen. Ein öffentlicher Kampf um Mehrheiten und Machtverhältnisse im öffentlichen, überwachten Raum: Breakdance + HipHop, Liebesschwüre, Demonstrationen, Selbstdarstellung und Posing, Konzerte, Straßentheater und Lippenbekenntnisse, Kommerz und Non-Profit, öffentlich und privat: Die Überwachung wird zur politischen Show.


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